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RECHT UND STEUERN

Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) ist eine einfache Art, den laufenden Gewinn eines Geschäftsjahres zu ermitteln. Mit Hilfe einer Übersicht, in der Einnahmen und Ausgaben getrennt voneinander aufgezeichnet werden, wird ein Überblick über die Einnahmen- und Ausgabensituation hergestellt. Die Addition dieses Zahlungsmaterials zum Jahresende stellt die Einnahme-Überschuss-Rechnung dar.    
    
Diese Seite ist in folgende Abschnitte gegliedert:    

  1. Gewinnermittlung durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung
  2. Amtlicher Vordruck bei Betriebseinnahmen über 17.500 Euro pro Jahr
  3. Inhalt der Einnahmen-Überschuss-Rechnung
  4. Umsatzsteuer
  5. Gewerbesteuer
  6. Steuererklärung
  7. Einzelfragen der Gewinnermittlung durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung 
  8. Weitere Informationen

1. Gewinnermittlung durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung    
 
Wer kann den Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln?
Gewerbetreibenden steht diese Gewinnermittlungsmöglichkeit nur dann zur Verfügung, wenn:

  1. der Jahresumsatz maximal 500.000,00 Euro beträgt
  2. oder der Jahresgewinn maximal 50.000,00 Euro beträgt
  3. und sie nicht nach anderen Gesetzen, als nach den Steuergesetzen verpflichtet sind, Bücher zu führen (beispielsweise wegen der Eintragung in das Handelsregister).

Wenn eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, muss zwingend eine Bilanz erstellt werden (kaufmännische Buchführung). Das Finanzamt muss Ihnen allerdings mitteilen, dass Sie infolge des Überschreitens einer der beiden Grenzen buchführungspflichtig sind. Die steuerliche Buchführungspflicht beginnt dann in dem Jahr, das auf diese Mitteilung des Finanzamts folgt.
    
2. Amtlicher Vordruck bei Betriebseinnahmen über 17.500 Euro pro Jahr    

Vordruck   
Grundsatzlich kann die Einnahmen-Uberschuss-Rechnung formlos als Excel-Datei o. a. erstellt werden - fur den Zweck der Buchfuhrung ist dies ausreichend.
    
Aber:
Fur den Zweck der Steuererklarung muss die Einnahmen-Uberschuss-Rechnung auf einem amtlichen Vordruck des Finanzamts erstellt werden.
    
Sie finden den Vordruck mit Anleitung unter der Internetseite des Bundesfinanzministeriums.
    
Tipp:
Fur die Steuererklarung 2008 sollten Sie schon im Laufe des Jahres 2008 Ihre Buch-fuhrung bzw. Aufzeichnungen an das Formular anpassen!
  
Es gilt jedoch zu beachten:

Ausnahme:
„Kleinstunternehmen“ mit Betriebseinnahmen von weniger als 17.500 Euro pro Jahr (Brutto-umsatz, vgl. umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung), müssen das Formular nicht verwenden. An Stelle des Vordrucks kann der Steuererklärung eine formlose Gewinnermitt-lung beigefügt werden.

Zu beachten ist aber, dass in diesen Fällen die Ermittlung des Gewinns gleichwohl den ge-setzlichen Vorschriften entsprechen muss (siehe nachfolgende Erläuterungen).
    
    
3. Inhalt der Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Aufzeichnungen   
Als Grundlage für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung dienen einfache Aufzeichnungen, in denen Sie alle im Laufe des Jahres zugeflossenen Einnahmen beziehungsweise abgeflossenen Ausgaben erfasst haben.
    
Das Finanzamt wird sich allerdings nicht mit einem einzigen Posten „Betriebseinnahmen“ und "Betriebsausgaben" in Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung begnügen, sondern eine Aufgliederung verlangen.
    
Sie müssen Ihre Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben zumindest anhand Ihrer Belegsammlung erläutern und glaubhaft machen können. Nach dem sog. „Zufluss-Abfluss-Prinzip“ sind die Betriebseinnahmen in dem Wirtschaftsjahr anzusetzen, in dem sie eingegangen sind, und die Betriebsausgaben in dem Wirtschaftsjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind.

Erforderliche Einzelaufzeichnungen   
Folgende Einzelaufzeichnungen sind ergänzend erforderlich:

  • Für umsatzsteuerliche Zwecke müssen Sie die Einnahmen und Ausgaben getrennt nach Steuersätzen und steuerfreien Umsätzen aufzeichnen
  • Für die Abschreibung von abnutzbaren Anlagegütern (= AfA, zum Beispiel Betriebs-Pkw, PC etc.) muss eine Abschreibungsübersicht erstellt werden, aus der sich Anschaffungsdatum, Kaufpreis und Abschreibungsdauer beziehungsweise in Anspruch genommene AfA-Beträge ersehen lassen (siehe Muster bei Anleitung zum Formular „EÜR“)
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter (ab 1.1.2008 bis 150 Euro netto) sollten Sie in ein besonderes Verzeichnis aufnehmen**
  • Nicht abziehbare Betriebsausgaben müssen Sie getrennt aufzeichnen (Bewirtungskosten, Geschenke für Geschäftspartner usw.)

** Die Grenze für die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter wird ab 1.1.2008 von 410 Euro auf 150 Euro herabgesetzt. Wirtschaftsgüter mit einem Wert bis zu 150 Euro müssen zukünftig sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden. Für Wirtschaftsgüter von 150 Euro bis maximal 1.000 Euro wird eine sogenante Poollösung eingeführt. Sämtliche Wirtschaftsgüter, die innerhalb eines Jahres angeschafft werden und die oben genannte Wertgrenze nicht überschreiten, werden in einem Pool zusammengefasst. Jeder Pool wird wie ein einzelnes Wirtschaftsgut behandelt und über einen Zeitraum von 5 Jahren linear abgeschrieben unabhängig von Veräußerungen, Entnahmen oder Wertminderungen.

Beispielhafte Aufgliederung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben:
    
Betriebseinnahmen

  • Betriebseinnahmen zum allgemeinen Umsatzsteuersatz (netto)
  • Betriebseinnahmen zum ermäßigten Umsatzsteuersatz (netto)
  • Umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen
  • Sachentnahmen
  • Private Kraftfahrzeugnutzung
  • Private Telefonnutzung
  • Vereinnahmte Umsatzsteuer

Betriebsausgaben

  • Wareneinkäufe (netto)
  • Bezogene Dienstleistungen (netto)
  • Gehälter, Löhne für Arbeitnehmer
  • Abschreibungen
  • Aufwendungen für geringwertige Wirtschaftsgüter
  • KfZ-Kosten
  • Miete für Geschäftsräume
  • Eingeschränkt abziehbare Betriebsausgaben (Bewirtungskosten, Geschenke et cetera)
  • Gewerbesteuer
  • Abziehbare Vorsteuerbeträge
  • Im Kalenderjahr an das Finanzamt gezahlte Umsatzsteuer

4. Umsatzsteuer 
    
Umsatzsteuer   

Sind Sie umsatzsteuerpflichtig, ist es zweckmäßig, wenn Sie alle Beträge (Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben) netto ausweisen. Die an Lieferanten gezahlte Vorsteuer sowie die an das Finanzamt abgeführte Umsatzsteuer gilt als Betriebsausgabe und muss als solche gesondert erfasst werden.
    
Demgegenüber gilt die bei Kundenzahlungen vereinnahmte sowie vom Finanzamt erstattete Umsatzsteuer als Betriebseinnahme, die ebenfalls gesondert aufgezeichnet werden müssen. Die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch (unentgeltliche Wertabgabe) wird als Betriebseinnahme erfasst.
    
Sind Sie als Kleinunternehmer umsatzsteuerbefreit (Bruttoumsatz beträgt voraussichtlich nicht mehr als 17.500 Euro) und können deshalb auch keine Vorsteuer abziehen, dann weisen Sie alle Beträge als Bruttobeträge aus.

5. Gewerbesteuer  

Gewerbesteuer   
Sie werden zur Gewerbesteuer herangezogen, sobald Ihr Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500 Euro überschreitet. Liegt Ihr Gewerbeertrag (entspricht im wesentlichen dem Gewinn) im Jahr unter diesem Freibetrag, zahlen Sie keine Gewerbesteuer.

6. Steuererklärung 

Steuererklärung   
Das Finanzamt erhalt neben der Steuererklarung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck (Einkommensteuererklarung mit Anlagen) nur die Einnahmen-Uberschuss-Rechnung (auf amtlichem Vordruck; Ausnahme: "Kleinstunternehmen", s.o.). Belege, Vertrage, Rechnungen und andere Geschaftsunterlagen brauchen Sie nicht beim Finanzamt einzureichen.
    
Sie finden die Vordrucke mit Anleitung unter der Internetadresse des Bundesfinanzministeriums.
  
7. Einzelfragen der Gewinnermittlung durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung 

Einzelfragen der Gewinnermittlung durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung:

  • Geldbeträge, die zur Tilgung von Darlehen geleistet werden, stellen keine Betriebsausgabe dar. Zinszahlungen und andere Darlehenskosten können im Jahr des Abflusses abgesetzt werden.
  • Es gelten die allgemeinen Abschreibungsvorschriften (Afa-Tabelle; zur Erstellung einer Abschreibungsübersicht siehe Muster bei der Anleitung zum Formular „EÜR“, siehe auch oben Punkt 2.).
  • Die Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufspreis - Gewinn oder Verlust - für nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter (Grund und Boden) kann erst bei Verkauf als Betriebseinnahme beziehungsweise -ausgabe angesetzt werden.
  • Geleistete Anzahlungen gelten als Betriebsausgabe, erhaltene Anzahlungen als Betriebseinnahme.
  • Sacheinnahmen sind wie Geldeingänge in dem Zeitpunkt als Betriebseinnahme zu erfassen, in dem der Sachwert zufließt.
  • Bei regelmäßig wiederkehrenden Einnahmen beziehungsweise Ausgaben (Zinsen, Miete, Pacht) gilt das Jahr der wirtschaftlichen Zugehörigkeit und nicht das Jahr der Zahlung, wenn die Zahlung innerhalb von 10 Tagen vor oder nach Jahreswechsel erhalten beziehungsweise geleistet wurde.
  • Die Bildung eines Investitionsabzugsbetrages (gem. § 7g EStG, neu geregelt ab 1.1.2008) ist als Betriebsausgabe, die Auflösung der Rücklage als Betriebseinnahme zu behandeln.

8. Weitere Informationen

Weitere Informationen   
Einzelheiten zur Buchführung, den Steuern des Unternehmers und zur Rechtsformwahl enthält das Merkblatt Steuern für Existenzgründer.

Stand   
10.01.2008

Haftung   
Diese Kurzinformation soll - als Service Ihrer Kammer - nur erste Hinweise geben und erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Obwohl diese Kurzinformation mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurde, kann keine Haftung für die inhaltliche Richtigkeit übernommen werden.

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