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STARTHILFE UND UNTERNEHMENSFÖRDERUNG

Vorsorge ist besser als Nachsorge: IHK-Seniorexperten bieten Gesundheitscheck für Unternehmen der Region

Randall S. Pitts (l.) und IHK-Seniorexperte Georg Schwach © Anja Gossen Zoom Randall S. Pitts (l.) und IHK-Seniorexperte Georg Schwach

Gerät ein Unternehmen in Schieflage, sollte es nicht auf bessere Zeiten hoffen, sondern gleich zur Tat schreiten. Erste Hilfestellungen gibt der kostenlose Beratungsservice der IHK-Seniorexperten: An drei Tagen prüfen sie die Konzepte auf Herz und Nieren, lokalisieren Probleme und zeigen Lösungsansätze auf.

„Unternehmer gehen manchmal mit Scheuklappen ans Werk“, sagt Christel Freuen, Geschäftsführerin von Zaunanlagen Freuen in Nideggen. 1976 hatte ihr Mann den erfolgreichen Familienbetrieb gegründet, vor zehn Jahren übernahm sie selbst die Leitung. „Das war immer mein Metier“, so die gelernte Bauzeichnerin und -technikerin, die bei ihren Kunden mit guter Fachberatung und einem breiten Angebot punktet.

Als Freuen im Frühjahr 2010 den Beratungsservice der IHK Aachen in Anspruch nahm, suchte sie jemanden, „der mal mit über die Zahlen schaut.“ Die Auftragslage war zwar gut, der Gewinn jedoch nicht ganz zufriedenstellend. „Und im Zweifelsfall sehen vier Augen einfach mehr als zwei“, erzählt die 59-Jährige.

Experten geben Entscheidungshilfe

Die Problemstellung war schnell analysiert, entsprechende Maßnahmen wurden eingeleitet und in kleinen Schritten umgesetzt – „natürlich so, wie Markt und Mitanbieter es zulassen“, räumt IHK-Seniorexperte Edgar Krahn ein, der die Firma Freuen in dieser Phase begleitet hat. „Die Beratung ist kein Nachhilfeunterricht, sondern gibt Impulse in die richtige Richtung.“

Bereits seit 2007 greift der Betriebswirt Unternehmern regelmäßig unter die Arme. „Neutrale Personen können Bilanzen  sachlicher beurteilen“, bekräftigt Krahn. Für Freuen war die Beratung zudem ein wahrer Glücksgriff, denn mit der Firma Zaunteam Schönauen in Linnich hatte der 67-Jährige auch einen geeigneten Kooperationspartner zur Hand: „Aufgrund meiner Tätigkeit habe ich einen guten Überblick über die Firmenlandschaft der Region.“

Gewusst wie – von Anfang an

Aber auch bei Existenzgründern müssen die Weichen richtig gestellt werden. „Ich wollte mich bei meinen ersten Schritten sicher fühlen“, bestätigt Randall S. Pitts. Als sich der studierte Psychologe Anfang 2010 selbstständig machte, stieß seine Geschäftsidee auf positive Resonanz: Unter dem Namen „penta-sense“ vertreibt der 45-Jährige seitdem das Naturprodukt Xylit und ist „mit Herzblut bei der Sache“, sagt IHK-Seniorexperte Georg Schwach. Trotzdem hatte der Gründer konkrete Fragen: Wie erstelle ich eine Handelskakulation? Wie baue ich das B2B-Geschäft auf?

„Viele Unternehmer nehmen leider erst Hilfe in Anspruch, wenn ihr eigener Handlungsspielraum schon erschöpft ist“, sagt  Diplom-Kaufmann Schwach und sieht darin einen großen Nachteil: „Informationsdefizite führen sehr häufig zum Scheitern von neuen Existenzen“, weiß er aus seiner langjährigen Berufserfahrung bei einer internationalen Unternehmensberatung im Raum Düsseldorf. „Auch kleine und mittlere Unternehmen sollten nicht darauf verzichten, sich professionelle Unterstützung ins Haus zu holen“, mahnt der 63-Jährige.

Unternehmenskrisen sind ein vermeidbares Schicksal

Natürlich sei nicht jeder ein Allround-Talent. „Rechnungswesen und Betriebsführung sollten trotzdem kein Buch mit sieben Siegeln sein“, rät Diplom-Kauffrau Renate Persigehl, die seit 2009 auch für die IHK Aachen als Beraterin unterwegs ist. Viele Gründer ließen sich nicht genügend Zeit für Vorbereitung und Beratung – so auch Jürgen Kalz, der 2004 als Franchisenehmer einen Selbstbedienungsladen in Aachen eröffnete. „Ich wollte wieder mein eigener Chef sein“, beschreibt Kalz die anfängliche Euphorie. 20 Jahre lang hatte er als Schichtmeister bei einem Elektronikkonzern gearbeitet: Als das Werk geschlossen wurde, wollte er sich von der Abfindung etwas Neues aufbauen.

Doch die Umsätze waren von Anfang an zu niedrig. Zu einer gewissen Standortproblematik kamen größere Investitionen hinzu, außerdem beschäftigte er – auf Empfehlung des Franchisegebers – zu viel Personal: Bald stand dem heute 47-Jährigen das Wasser bis zum Hals. „Die Verlustsituation hat ihn über die Jahre begleitet“, erzählt IHK-Seniorexpertin Persigehl, die ihm Mitte 2010 bei Aufgabe des Geschäfts zur Seite stand. „Auch Franchisegründungen bergen Risiken.“

Als ehemaliges Vorstandsmitglied eines Kreditinstitutes weiß die 55-Jährige, dass eine zu geringe Liquiditätsausstattung zu großen Problemen führen kann: „Häufig ist dann keine Umstrukturierung mehr möglich.“ Aber viele Unternehmer legten sich leider immer Entschuldigungen parat, warum es gerade so schlecht liefe: „Gestern war es die Wirtschaftskrise, morgen ist es etwas anderes.“

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