Konjunktur Rheinland, Jahresbeginn 2017

Betriebe im Rheinland trotzen weltwirtschaftlichen Turbulenzen

Die Wirtschaft im Rheinland zeigt sich zum Jahresbeginn 2017 trotz zahlreicher weltweiter Krisenherde äußerst stabil. Das ist das zentrale Ergebnis des aktuellen "Konjunkturbarometers Rheinland", für das die sieben rheinländischen Industrie- und Handelskammern (IHK Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Duisburg-Wesel-Kleve, Köln, Mittlerer Niederrhein und Wuppertal-Solingen-Remscheid) rund 3.000 Unternehmen zu ihrer wirtschaftlichen Lage und zu ihren Erwartungen für das laufende Jahr befragt hatten.

"Die Konjunktur im Rheinland entwickelt sich sehr solide. Anhaltend niedrige Zinsen, eine hohe Kaufkraft und Konsumlaune, eine bis in den vergangenen November hinein verhältnismäßig niedrige Inflation sowie steigende Einkommen und Beschäftigung stützen diesen Verlauf", sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. Zum Auftakt 2017 bewerten die Betriebe im Rheinland ihre Geschäftslage größtenteils weiterhin sehr positiv: 39,7 Prozent der Befragten bezeichnen ihre Lage als gut, und 49,8 Prozent betrachten sie immerhin als befriedigend. Der Geschäftslageindex, der die Differenz der guten und schlechten Lageeinschätzungen darstellt, hat gegenüber dem vergangenen Herbst um 1,8 Punkte zugelegt. Mit jetzt 29,3 Punkten hat der Indikator fast den starken Wert vom Jahresbeginn 2016 erreicht und liegt deutlich über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 21,3 Punkten.
Ähnlich wie die Lageeinschätzung entwickelt sich derzeit auch die Erwartung. 26,0 Prozent der Unternehmen rechnen für die kommenden Monate mit einer sich weiter verbessernden Geschäftsentwicklung. 60,9 Prozent erwarten keine größeren Veränderungen, und 13,1 Prozent be-fürchten eine Verschlechterung. Der Saldo für die Geschäftserwartungen liegt bei 12,9 Punkten und damit um 2,1 Punkte über dem Wert der Umfrage aus dem vergangenen Herbst. Durch die positiven Entwicklungen bei Geschäftslage und Erwartung steigt der IHK-Konjunkturklimaindex leicht und erreicht damit 120,8 Punkte. Einen besseren Wert gab es zuletzt zum Jahresbeginn 2014.
Erstmals seit fast drei Jahren deutet sich indes ein nennenswerter Aufschwung bei den Exporten an. Das untermauern Prognosen der Forschungsinstitute, die eine leichte Zunahme des weltweiten BIP-Wachstums voraussagen. Antrieb der Wirtschaft bleibt in den meisten Branchen die gute Inlandsnachfrage. Derzeit rechnen 27,7 Prozent der exportierenden Unternehmen für 2017 mit einer Zunahme ihrer Exporte, nur 13,9 Prozent erwarten einen Rückgang.
Der Aufschwung der Exporterwartungen wird jedoch von zahlreichen Unsicherheiten begleitet. Im Vordergrund stehen dabei die Vereinigten Staaten und die "America first"-Politik von US-Präsident Donald Trump. "Die Androhung von Strafzöllen und die Kündigung von Handelsabkommen sind erste sichtbare Zeichen", sagt Bayer. Auch der anstehende Beginn der Verhandlungen zum "Brexit" sorge für Verunsicherung bei den Betrieben im Rheinland. "Damit stehen die Beziehungen zu zwei wichtigen Handelspartnern der rheinischen Wirtschaft zur Disposition. Auch in weiteren europäischen Ländern, wie zum Beispiel in Frankreich und in den Niederlanden, könnten europa- und freihandelskritische Parteien an Einfluss gewinnen", sagt Aachens IHK-Hauptgeschäftsführer.
Der Saldo für die Beschäftigungspläne erreicht mit 8,6 Punkten den besten Wert seit dem Jahresbeginn 2012. Insgesamt möchten 22,4 Prozent der Betriebe ihre Mitarbeiterzahl erhöhen. Dem stehen nur 13,8 Prozent mit Plänen zum Beschäftigungsabbau gegenüber. Positive Impulse gebe es vor allem von der IT-Branche, der Gesundheitswirtschaft und der Chemischen Industrie. Der aktuelle Rheinland-Konjunkturbericht ist unter der Dok.-Nr.: 3667158 zu finden.
Rheinland-IHKs veröffentlichen wirtschaftspolitische Agenda
Die sieben rheinländischen IHKs hatten seit 2009 die vor kurzem vollzogene Gründung der "Metropolregion Rheinland" vorangetrieben. Damit künftig die richtigen Entscheidungen in den Bereichen Verkehr, Bildung, Forschung und Stadtentwicklung getroffen werden, haben die Kammern ihre wichtigsten Forderungen jetzt in einer wirtschaftspolitischen Agenda zusammengetragen, die unter der Dok.-Nr.: 3665038 zu finden ist.
IHK-Pressemeldung vom 7. März 2017