Existenzgründung

Finanzierung und öffentliche Förderprogramme

Für jede Existenzgründung, auch für kleine, wird Startkapital benötigt, zum Beispiel für Sachinvestitionen und/oder als flüssige Mittel (Liquidität) - woher kommt das Geld?

Zunächst einmal aus der eigenen Tasche, denn ohne Eigenkapital sollten Sie den Sprung in die Selbstständigkeit auf keinen Fall wagen. Zudem könnte eine Finanzierung von Ihrer Bank oder Sparkasse (Geldinstitut) und auch von öffentlichen Förderstellen zur Verfügung gestellt werden.

1. Finanzierung durch Geldinstitute   

Geldinstitute  
Darlehen der Kreditinstitute werden mittelfristig (4 Jahre) bis langfristig (20 Jahre) zu festen oder variablen Zinssätzen gewährt. Sie sind "banküblich" abzusichern. Der kurzfristige Kreditbedarf wird durch den Kontokorrentkredit (= laufende Rechnung) finanziert. Zinssätze für Kontokorrentkredite sind wesentlich höher als für Investitionskredite.

Sicherheiten
Hausbankdarlehen und öffentliche Fördermittel sind im Regelfalle banküblich abzusichern. Eine Risikobeschränkung gegenüber dem Geldinstitut ist kaum möglich. Kreditinstitute gehen davon aus, dass der Gründer zunächst das notwendige Vertrauen in sein Konzept einbringt und sich vollauf mit seinem Vermögen einsetzt. Banken erkennen als Sicherheiten an: Grundschulden, Wertpapiere, Lebensversicherungen (mit entsprechendem Rückkaufswert), Maschinen, Fahrzeuge, ggf. Warenbestand u. a.

Das Kreditgespräch
Mit der Hausbank ist möglichst früh ein Finanzierungsgespräch zu führen. Dazu sind gut vorbereitete und aussagefähige Unterlagen vorzulegen. In einer Bonitätsprüfung (lat. Bonus = gut) begutachtet die Hausbank die wirtschaftliche Grundlage des Kreditnehmers. Dazu zählen die Geschäfts- und Zahlungsmoral, Zuverlässigkeit in der vertraglichen Erfüllung, gegenwärtige Vermögenssituation sowie künftige Erfolgsentwicklung.

2. Öffentliche Förderprogramme

Öffentliche Förderprogramme
Wichtig ist eine solide Finanzierung! Öffentliche Finanzierungsmittel erhöhen wegen günstiger Konditionen die Überlebenschancen. Prüfen Sie deshalb die Beantragung dieser Mittel.    

Förderfähig sind:  
  • die Errichtung eines Unternehmens einer freiberuflichen Tätigkeit    
  • die Betriebsübernahme  
  • der Erwerb einer tätigen Beteiligung  
  • sowie die Existenzfestigung   
Antragstellung
Förderanträge sind bei einem Kreditinstitut (Hausbank) zu stellen. Es leitet die Anträge nach Prüfung des Gründungsvorhabens an staatliche Förderstellen, dies sind die NRW.Bank, KfW-Mittelstandsbank, Bürgschaftsbank NRW, weiter.

Fördermöglichkeiten
Folgende Fördermöglichkeiten sind möglich:
  1. zinsgünstige Kredite
    • teilweise mit Haftungsfreistellung
    • teilweise mit tilgungsfreien Jahren
  2. Übernahme einer Ausfallbürgschaft
  3. die Gewährung eines (verlorenen) Zuschusses
    • für Unternehmensberatungen
    • für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit
Die Öffentlichen Förderprogramme sind im Regelfalle banküblich abzusichern. Soweit derartige Sicherheiten nicht vorhanden sind, kann über die Hausbank die Übernahme einer Ausfallbürgschaft bei der Bürgschaftsbank NRW, Neuss beantragt werden.

Förderstellen
Förderstellen sind:
  • NRW.Bank
    • NRW.Bank Gründungskredit
    • NRW.Bank Mittelstandskredit
    • NRW/EU. Mikrodarlehen
  • KfW-Mittelstandsbank:
    • ERP-Kapital für Gründung
    • ERP-Gründerkredit - Startgeld  
    • Unternehmerkredit
       
  • Bürgschaftsbank NRW, Neuss    
    • Ausfallbürgschaft
       
  • Bundesagentur für Arbeit:    
    • Gründungszuschuss   

3. Welche Förderprogramm kommen in Frage?

KfW-Programme    
Vorhaben bis 100.000 Euro können mithilfe des "ERP-Gründerkredit - Startgeld" finanziert werden. Besonderheiten gegenüber anderen Förderprogrammen: 100-prozentige Förderung (also kein Eigenkapital erforderlich), 80-prozentige Haftungsfreistellung möglich.    

Bei einem Kapitalbedarf über 100.000 Euro wird ein Vorhaben im Regelfall durch die Kombination mehrerer Programme finanziert.

Beispiel einer Finanzierung 100 Prozent:

15 % eigene Mittel
30 % ERP-Kapital für Gründung
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45 % Gesamtbetrag Eigenkapital
55 % KfW-Unternehmerkredit oder NRW.Bank Mittelstandskredit möglich
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100 % Gesamter Kapitalbedarf

NRW Bank
Der NRW.Bank Gründungskredit fördert Gründungen ab 25.000 Euro. Eine Ausfallbürgschaft ist zur Verstärkung der Sicherheiten obligatorisch. Für Kleinstgründungen (5.000 bis 25.000 Euro) besteht zurzeit in dem Pilotprojekt NRW/EU. Mikrodarlehen eine Unterstützungsmöglichkeit.

Erforderliche Unterlagen für Kredite und Bürgschaften
  • Lebenslauf/Beruflicher Werdegang
  • Unternehmensbeschreibung
  • Kapitalbedarfsplan
  • Umsatz-, Kosten- und Gewinnplan (hinreichend begründet)
  • Beleihungsunterlagen
Wichtig:
Zuerst beantragen, dann investieren. Wer Kaufverträge vor Antragstellung unterschreibt, geht leer aus. Frühzeitig beantragen, denn die Antragsbearbeitung dauert eine gewisse Zeit. Auch mit einer Ablehnung ist zu rechnen. Führen Sie deshalb mit der Bank auch Gespräche über eine Zwischen- oder Alternativfinanzierung.

Beratung der Industrie- und Handelskammer
Die IHK berät Sie zu Förderfragen. Bei einigen Förderprogrammen ist die IHK zur Abgabe einer gutachtlichen Stellungnahme zwischengeschaltet. Deshalb empfehlen wir, legen Sie uns vor Antragstellung Ihre Konzeption und Planungsrechnungen vor.
Haftung
Diese Kurzinformation soll - als Service Ihrer Kammer - nur erste Hinweise geben und erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Obwohl diese Kurzinformation mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurde, kann keine Haftung für die inhaltliche Richtigkeit übernommen werden.